Montag, 12. Oktober 2009

Heute ist hier in Brasilien Feiertag, Dia das crianças, Tag der Kinder, und der Aparecida, der Schutzheiligen Brasiliens. Da ich ja sowieso keinen so geregelten Tagesablauf habe, ist das von mich natuerlich von nicht ganz so grosser Bedeutung, aber immerhin habe ich mir 14 Stunden Schlaf gegoennt und heute Nachmittag war sogar Petrus guetig mit uns und es konnte eine Roda in einem Park unter freiem, blauen Himmel stattfinden, mit den Kindern, die Maskoti trainiert... Wunderbare Athmosphaere da draussen..
Aber erstmal zu letzter Woche, die wir in Sapucaia do Sul, einer kleinen Stadt ganz hier in der Naehe verbracht haben. Erstmal wurden wir dort unglaublich freundlich in Empfang genommen, die brasilianische Gastfreundschaft ist wirklich umwerfend, geht aber auch viel durch den Magen, was uns noch zum Verhaengnis werden koennte, zumal die Arbeit mit koerperlich behinderten Menschen an sich hat, das moeglichst wenig Wege zu Fuss zurueckgelegt werden...
Ueber die genauen Grundsaetze der FCD werde ich bei Gelegenheit nochmal etwas genauer berichten, aber auf jeden Fall gehoeren die Hausbesuche zu den Hauptaktivitaeten, nur dass es haeufig an Zeit und Geld fehlt. Deshalb ist es gut, wenn wir mit dem aus deutschen Geldern angeschafftem Auto kommen, die Menschen mit Behinderungen einsammeln und mit ihnen zusammen andere Behinderte besuchen. Es ist unglaublich interessant, die Menschen kennenzulernen, aber auch sehr anstrengend, sich auf alle neu einzustellen, zumal unser Portugiesisch noch stark ausbaufaehig ist. Es gibt positive Rueckneldung, wenn die Menschen sich so freuen, aber teilweise sind die Verhaeltnisse, in denen sie leben auch sehr erschreckend... So sitzt zum Beispiel Valentin den ganzen Tag in seinem Bett in einem kleinen, dunklen, dreckigen Kaemmerchen und niemand scheint sich richtig um ihn zu kuemmern, sein Schwager meinte, dass sein Leben gestorben sei, seitdem er sich seiner angenommen habe, aber es war nicht so ganz erkenntlich wieso. Traurig!! Und eine andere aeltere Frau haust ebenfallsin einer ganz schoen abgeratzten Bude, sodass es wirklich schwerfaellt, danach einfach weiterzufahren und zu wissen, dass die Menschen dort zurueckbleiben. Aber immerhin unterstuetzt die FCD etwas, wennauch mehr in menschlicher Hinsicht als in materieller. Ein anderer, der durch eine Schussverletztung gelaehmt wurde, was erschreckend hauefig der Fall ist, macht schon seit Jahren jeden Tag Blutwaesche, weil seine Nieren nicht funktionieren, und hat wenig Hoffnung in naechster Zeit eine Spenderniere zu bekommen, da er arm, schwarz und behindert ist. Da kommt man doch manchmal ins Zweifeln am menschlichen Verstand...
Naja, aber wir haben auch schoene Erfahrungen gemacht, eine Frau hatte sich gerade ein motorisiertes Gefaehrt gekauft und war so froh, nun alleine weitere Wege zuruecklegen zu koennen!! Da wird man sich mal bewusst, dass fuer uns alltaeglich Dinge keine Selbstverstaendlichkeit sind, und wie wichtig es ist, eben diese Kleinigkeiten wertzuschaetzen.
Meinen Geburtstag haette ich nicht ruhiger feiern koennen, Kiki und ich haben im Bett noch gewartet bis es 12 war und danach geschlafen.. Aber sehr lieb, sie hat mir einen Gutschein fuer eine Massage bei Maritani, die uns auch Portugiesischunterricht gegeben hat, geschenkt, darauf freue ich mich schon!! Und Donna Rosa hat einen herrlichen Schokoladenkuchen fuer mich gebacken und mir ein unglaublich kitschiges rosa Doeschen in Herzform geschenkt, soo lieb!!
Vielen Dank an alle, die an mich gedacht, mir geschrieben, oder mich angerufen haben, ihr glaubt gar nicht, wie sehr man sich in der Ferne darueber freut!!!
Naja, war auf jeden Fall eine interessante Woche, naechste gehts nach Caxias do Sul. Schade nur, dass dann fuer Capoeira so wenig Zeit ist und um die Leute hier zu treffen... Aber gut, ich freu mich trotzdem, ich hab nur schon wieder das Gefuehl, dass gar nicht genug Zeit ist fuer alles, was wir gerne machen wuerden..
Am Samstag war hier im "bosque", dem verlassenen Fabrikgelaende, auf dem einige wohnen, ein tolles Fest, mit Roda de Capoeira, de Samba und einer Live-Band... Ich bin einfach unglaublich begeistert, wie die Musik hier gelebt wird, auch heute sassen wir wieder einfach zusammen und haben Musik gemacht... Ihr seht also, das Phi lebt nicht schlecht in Brasilien.. Aber jetzt muss ich noch etwas schlafen, morgen frueh ist ja schliesslich wieder die Nacht vorbei...

Montag, 5. Oktober 2009

Waehrend draussen gerade die Welt untergeht, schreibe ich noch ein paar Zeilchen... In ganz Rio Grande do Sul gibt es schon Ueberschwemmungen und im September hat es dreimal so viel geregnet wie normalerweise, aber es hoert nicht auf... In der ganzen Stadt war Stromausfall, so dass wir das Vergnuegen eines Capoeira-Trainings bei Kerzenschein hatten... Sehr gemuetliche Athmosphaere, aber ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so geschwitzt...
Ich merke, dass ich mich hier so langsam aber sicher richtig zu Hause fuehle, vor allem Dank der Capoeira und den netten Menschen dort, aber zum Glueck auch, weil sich die Situation hier zu Hause langsam entspannt und ich sehr optimistisch bin, dass und ein friedliches Zusammenleben mit Olivia gelingen wird. Sie hat wirklich sehr nette Seiten, die sich in der letzten Woche wieder mehr zeigten. Ich glaube, hier im Haus war es vorher einfach zu eng.. Und zusammen schoene Dinge unternehmen ist gut, gestern waren wir zum Beispiel mit ihr und Santiago in der Oper und haben uns Verdis Il Trovatore angeschaut. Sehr schoen, wenn auch hochdramatisch^^
DAs Churrasco hier zu Hause war auch toll, auch wenn ich es leicht pervers finde, solche Mengen an Felisch zu konsumieren.. Die Beilagen sind damit wirklich eher nebensaechlich...
Zum Verdauen braucht man da wirklich Chimarrão...
Morgen gehts nach Sapucaia do Sul, dort werden wir den Rest der Woche mit Besuchen bei verschiedenen Menschen mit Behinderungen verbringen. Ich freue mich, dass wir jetzt mehr fuer und mit der FCD machen, auch wenn ich meinen Genurtstag lieber hier mit den Capoeira-Leuten verbracht haette.. Naja, dann wird das am Wochenende nachgeholt...
Dann bis demnaechst....

Sonntag, 4. Oktober 2009

No museu da PUC




Der Fluss Ipiranga, der die ganze Stadt durchquert
Mit Santiago und Thiago im Museum

Pizza auf brasilianisch...



Kiki und Maskoti, Fabio und Veronika an Veronikas Abschiedsabend

Churrasco aqui na casa



Donnerstag, 1. Oktober 2009



Fechtende Rollstuhlfahrer und ein Tee der Fraternidade (Joanete, Levino, Mari, Olivia)