Nach einem wunderschoenen, extrem anstrengenden Wochenende melde ich mich auch noch kurz zu Wort, bevor ich mir meinen dringend noetigen Schlaf zufuehre....
Eigentlich hat dieser Tag sehr doof begonnen, Kiki ist naemlich tot, ich meine den Hund und nicht meine Mitstreiterin, und aus der Ferne ist das noch unschoener als aus der Naehe... Aber ich will nicht in Depressionen verfallen... Ausserdem hatten wir ein bisschen Stress mit Olivia, wir sind erst zu spaet nach Hause gekommen, weil wir den letzten Bus verpasst haben und insgesamt sind wir ihr glaube ich zu unorganisiert, sie hatte schlichtwegmit aelteren Freiwilligen gerechnet und nicht mit unternehmungswuetigen, leicht chaotischen Maedchen. Naja, ich glaube es wird einfacher mit ihr, jetzt da Kiki und ich nur noch zu zweit sind, weil wir ihr mehr zur Hand gehen koennen und auch keinen Sprachkurs mehr haben. Heute hat sie uns in eine eher stumpsinnige Arbeit eingewiesen, naemlich Kassensbons sortieren und in den Computer eingeben. Fuer 30 Bons gibt es von der Regierung 30 Centavos, das ist ein sehr schlechter Stundenlohn, bringt in Massen aber durchaus Geld fuer die Fraternidade ein. Naja, wird wohl nicht meine Lieblingsbeschaeftigung werden, aber wenn wir wirklich eine Hilfe sind, bin ich froh, Olivia macht das bereits seit sechs Jahren taeglich, meistens alleine, da kann man ihre haeufig schlechte Laun durchaus nachvollziehen... Und morgen gehen wir mit zu ihrer Arbeit, einer Fabrik, die Windeln produziert, um sie an arme Menschen zu verschenken. Dort fehlt es wohl immer an Arbeitskraeften, insofern koennen wir da auch mithelfen.
Das Wochenende war wirklich grandios, am Freitag hat der Capoeiralehrer Professor Guto in seinen Geburtstag reingefeiert, erst gab es eine Roda mit sehr vielen Menschen und nachher noch Samba und viel zu essen und zu trinken. Herrlich, wie die Brasilianer einfach alle tanzen koennen und Musik machen... Als die Feier sich aufloeste war uns noch gar nicht nach schlafen zu Mute und wir gingen mit einigen in ein barzinho, in dem auch Samba gespielt wurde... mir wurde versprochen, dass ich es bis zum Ende des Jahres auch tanzen kann, ich hoffe das klappt, da ich fuer eine Tanzschule einfach keine Zeit mehr habe.. Am Samstagmorgen war nach schon sehr bald die Nacht wieder vorbei, weil in einem Haus fuer behinderte Kinder das 70jaehrige Bestehen gefeiert wurde. Die Messe war erstaunlich enspannend, obwohl ich so muede war und besonders gut war das anschliessende Buffet^^. Wir duerfen dort wahrscheinlich demnaechst auch etwas aushelfen, von daher hat sich der Einsatz gelohnt... Nachmittags gingen wir dann zu einem Capoeiraworkshop, der von einer Gruppe Frauen ausgerichtet wurde. Urspruenglich war Capoeira eine reine Maennerangelegenheit, sodass sich jetzt einige Gruppen zusammenfinden, um die Rolle der Frau in der Capoeira praesenter zu machen. Fuer naechstes Jahr planen die Frauen von Africanamente auch ein groeseres Event, ich hoffe, ich finde mich in die Materie ein und kann bei der Gestaltung mitwirken... Wir machten dort erst Musik, dann ein Training und im Anschluss eine Roda, war auf jeden Fall interessant. Danach ging es zurueck zur Africanamente, wo ich auch noch kurz spielen durfte (oder musste, noch fuehle ich mich sehr unsicher...) und danach ging die Feier weiter.. In der Entrebar gab es Livemusik, zu der wir so richtig viel getanzt haben. Es ist einfach ein tolles Gefuehl, jetzt mit Leuten von hier etwas zu unternehmen. Es wurde wieder viel Samba gespielt, aber unter anderem auch ein Lied von Neil Young, waer haette das denn damals gedacht... Hihi... Und auf meine alten Tage habe ich sogar noch versucht eine Art Billard zu lernen, hab nicht viel getroffen, hat aber Spass gemacht... Ein paar Stuendchen Schlaf spaeter besuchte ich mit Kiki, Santiago und Thiago ein interaktives Museum. Dort gab es sehr viel zum selber ausprobieren, die Sinne, Reaktion, Schwerkraft und vieles mehr... War auf jeden Fall sehr interessant und kurzweilig....
Abends waren wir noch bei einer Veranstaltung von einer Vereinigung schwarzer Menschen in Rio Grande do Sul, auch wieder mit viel Samba und Maracatu, sehr energiegeladenes Getrommel. Leider hat mich dann aber doch die Muedigkeit eingeholt...
Gestern war unsere letzte Portugiesischstunde bei Maritani, bei ihr haette ich auch gerne noch weiter gemacht, weil sie einfach unglaublic nett ist, aber ich glaube, dass ich die Sprache jetzt hauptsaechlich durch die Praxis lernen werde...
Abends war Veronikas Abschied, sodass wir nach der Capoeira (Hanna, machst du eigentlich Angola oder Regional???) Pizza essen gingen, auf brasilianisch... Man bezahlt einen Preis und dann kommen die Kellner immer mit Stuecken verschiedener Sorten an den Tisch. Dabei will man natuerlich moeglichst viel probieren und ausserdem gab es auch ein Buffet mit Hauptspeisen (Salate). Und als wir irgenwann satt waren kamen die suessen Pizzen, hui... Schon cool, mit Schokolade, Erdbeeren, Eis, Banane.... Gut, dass ich vorher beim Training war.. Danach gingen wir noch zu ein paar von den Capoeiraleuten nach Hause. Sehr interessante Menschen, sie bewohnen das Gelaende einer verlassenen Fabrik, pflanzen selber Gemuese, stellen Musikinstrumente her und kochen ueber einem Feuerofen... Ich habe allerdings extremst gefroren und war doch sehr froh, als ich mich morgens noch etwas in mein Bettchen legen konnte...Was ich jetzt auch wieder tun werde. Ich denke an euch alle, freue mich wie immer ueber Kommentare und stellt ruhig Fragen, ich koennte mir vorstellen, dass ich von manchen Sachen erzaehle, als waeren sie selbstverstaendlich.
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Hallo Sophia!
AntwortenLöschenDie Geschichte mit den bos verstehe ich nicht so richtig. Soll es eure Aufgabe als Freiwillige sein, da dies stundenlang einzutippen? Da erschließt sich mir nicht recht der Sinn für die Freiwilligenarbeit!
Na ja, wenn der Young sich auf der Bühne bewegt, ist das ja vielleicht auch sooe Art Tanz, du siehst, vieles passt zusammen!
Ciao
Christoph
Spätestens, wenn die schlecht Laune von Olivia dauerhaft auf dich übergreift, solltest du aktiv werden!!! Aber da bist du glaub ich nicht so gefährdet...Und bis sich neue, abwechslungsreiche Betätigungsfelder auftun, könnt ihr Olivia ja ruhig etwas bei ihrer stumpfsinnigen Arbeit zur Hand gehen. Das hebt ihre Laune ja vieleicht auch! Und viel Spaß und Abwechslung scheint ihr ja in eurer Freizeit durchaus zu haben! Ich würde sooo gerne mal eure Capoeira-Gruppe live erleben und Samba tanzen möchte ich auch!!!
AntwortenLöschenDanke, dass du trotz deiner Trauer um Kiki so einen langen Bericht geschrieben hast!
Vielleicht kannst du ja mal bei Gelegenheit etwas über die FCD, ihre Arbeit, die Grundsätze und Ideen schreiben?
Wenn es wirklich eine Hilfe darstellt, habe ich kein Problem mit stumpsinniger Arbeit... Es ist ja nicht ds einzige, dazu kommen ja noch Besuche und Treffen und evtl. auch noch die Arbeiten in den Einrichtungen. Die Gefahr, von schlechter Laune uebermannt zu werden besteht nicht, gerade aus der Capoeira schoepft man unglaublich viel Energie. Und Olivia hat sehr liebenswuerdige Seiten und ich bin sicher, dass wir uns aneinander gewoehnen, wenn wir uns mehr aufeinander einlassen... Und wenn alles im Leben immer einfach waere, woran wuerde man dann wachsen??
AntwortenLöschenUeber die Grundsaetze der FCD zu schreiben, finde ich eine positive Anregung, setze ich mich demnaechst mal dran.
Hui! Das war ja mal was langes! Ich hab auch lust, mich mal wieder zu lateinamerikanischer Musik zu bewegen... Hab dich lieb!
AntwortenLöschenIst aber definiv brasilianische Musik, man merkt gerade bei der Musik einen starken Unterschied zu anderen Laendern Lateinamerikas...
AntwortenLöschenAber auf jeden Fall sehr rhytmisch...
Hallo Phi!
AntwortenLöschenWas ist eine Ronda? Oder so aehnlich.
Ja, das habe ich auch gedacht Wupp. Ich war jetzt genau einmal tanzen. Und das war leider zu mainstream-trance-electro.Wenn ich jezt mal gute Musik hoere fangen meine Beine an sich zu bewegen :)
Hier geht man nicht weg und die Diskos schliessen spaetestens um 12.Sehr schade....
Ganz liebe Gruesse!