Eigentlich haetten wir heute in der fabrica de fraldas, der Windelfabrik, arbeiten sollen, aber da es draussen mal wieder tobt, duerfen wir etwas zu Hause bleiben... Nutze ich die Gelegenheit mich hier mal wieder zu Wort zu melden.
Heute morgen war zum Glueck noch schoenes Wetter und wir haben an der UFRGS, der staatlichen Uni hier in Porto Alegre, Vivi bei einer Aktion zu Ehren von Zumbi geholfen, morgen ist naemlich Dia da consciencia negra. Sehr interessantes Thema, ich stelle hier mal einen interessanten Link aus der Zeit rein, leichter als zu versuchen, das selber wiederzugeben:http://www.zeit.de/1995/47/Der_Tag_des_schwarzen_Bewusstseins
Sie hat dort eine winzige Roda de Capoeira veranstaltet, gut dass wir dort waren, sonst waeren sie nicht genug Leute gewesen. Leider schaffen wir es morgen wahrscheinlich nicht an dem Marsch und der anschliessenden Roda teilzunehmen... Waere bestimmt spannend.
Ich bin nicht ganz boese, heute nicht drei Stunden lang Windeln zurechtzuschneiden, mit Klebverschluessen zu versehen und sie zusammenzufalten, auch wenn es eine Erfahrung ist, diese Art von Arbeit zu verrichten. Und die Stimmung ist dort recht entspannt, mir fehlt es vielleicht etwas an Elan, aber das koennte am fortgeschrittenen Alter der Schwestern liegen... Als dann uns zu Liebe deutsche Volksmusik aufgelegt wurde habe ich selber an der Ernsthaftigkeit meiner Lage gezweifelt, ich haette nie gedacht, dass ich einmal in Brasilien zu deutscher Volksmusik Windeln herstellen wuerde.. Aber man muss ja immer offen fuer Neues sein... Und die Windeln werden alle umsonst an beduerftige Menschen abgegeben, insofern kann ich das Gefuehl haben, etwas Sinnvolles zu machen.
Die Spannung zwischen arm und reich ist wirklich heftiger als in Deutschland, ein weiteres Beispiel, das mir dafuer einfaellt, ist das Gesundheitssystem. Es gibt natuerlich keine gesetzliche Krankenversicherung, nur diejenigen die genug uebrig haben, koennen sich eine leisten. Hier gibt es Gesundheitsposten, an denen Medikamente gratis ausgeteilt werden, fuer die Aermeren, aber immer nur an 10 Leute taeglich. Wer also eine Chance haben will, muss drei Stunden vorher dort sein. Kiki hat Olivia letztens morgens um fuenf dorthin gefahren und Olivia hat dort bis acht in der Kaelte gewartet. Nur als Erinnerung daran, dass wir auf einem sehr hohen Niveau jammern...
Diesen Monat war hier in Porto Alegre Buchmesse, wunderbar um stundenlang zu stoebern. Das ist wirklich toll an dieser Stadt, es gibt viele kulturelle Ereignisse. Witzig war auch, dort einer deutschen Tanzgruppe zuzusehen. Hier im Sueden gibt es glaub ich Menschen, die noch viel "deutscher" leben als wir und die Traditionen bewahren. Ich bin schon gespannt, die Staedte zu besichtigen, die komplett im Fachwerkstil erbaut wurden... Auch deutsche Nachnahmen sind weit verbreitet, es gibt eine Churrascaria Schneider. Aufs Brot schmiert man Schmier und es wird gerne Cuca gegessen, was wohl vom deutschen Kuchen kommt.
Dieses Wochenenende findet wieder ein Treffen der FCd hier im Haus statt und morgen machen wir ein paar Besuche, ansonsten waren die letzten Wochen eher nicht ganz so arbeitsreich. Dafuer haben wir sie sehr intensiv mit Capoeira ausgefuellt und wirklich jeden Tag ein bis drei Stunden trainiert.. Mein Kopfstand wird von Woche zu Woche besser, auch wenn ich mir aergerlicherweise am Kuechenschrank eine dicke Beule geschlagen hatte, sodass diese Uebung etwas schmerzhaft war... Auch einige der Lieder kann ich schon singen... Zum Glueck hat Makoti uns angeboten, demnaechst mit uns Berimbaus herzustellen, obwohl wir an der gemeinsamen Aktion, die wegen des Regens verschoben wurde, nicht teilnehemen koennen, weil wir dann in Novo Hamburgo sein werden, ich freue mich schon tierisch darauf das zu lernen, auch wenn mein Talent wahrscheinlich nicht das groesste ist...
Am Freitagabend werden wir auch wieder gemeinsam weggehen, weil die Band von Pirata in einer Bar auftritt. Letzte Woche haben wir mit einigen Leuten in der Capoeiraschule uebernachtet, weil es da auch so geregnet hat, sogar in einer Bar lief das Wasser von der Decke. Man muss dazu erwaehnen, dass Rio Grande do Sul der Ort war, an dem es in der letzten Woche auf der ganzen Welt am meisten geregnet hat und das quasi nur in zwei Naechten... Da haben wir dann nachts noch Nudeln mit alho und olio gekocht und im Dunkeln etwas Capoeira gespielt... Jaja, dem Phi gehts gut in Brasilien!!!!
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Huhu mein Capoeira-Phi!
AntwortenLöschenIch bin schon so gespannt darauf wenn du uns das zeigen kannst wie das geht... wie siehts mit deinen Plaenen fuer Dezember aus?
1000 Wuppknuddels!
Und Janinagruesse!
Ich hab höchstens mal sonne Art Schulterstand aufm Thresen hingekriegt.....früher.... So ganz verstehe ich ja nicht, wie du das so auf deine alten Tage schaffst?!
AntwortenLöschenAnsonsten ist das reale Gesundheitssystem da wirklich erschütternd, wobei es auch da wahrscheinlich immer noch den Unterschied zu den Ländern gibt, wo keiner was kriegt! Und wie ist die Lage eigentlich immer noch in den USA für die, die nix haben?
Christoph
Wuppi, anfang dezember hab ich hier eine assembleia, danach kann ich planen, ich sag dir dann sofort bescheid, sale?
AntwortenLöschenund papa, deine kommentare sind die besten, wir ueben dann demnaechst gemeinsam schulterstand... ueber das gesundheitssystem in den usa koenntest du ja wuppi recherchieren lassen...