Samstag, 9. Januar 2010

Jahresende und Jahresanfang

Waehrend meine Beriba gerade schon auf dem Weg nach Rio ist, nutze ich noch etwas die Zeit, um etwas meine Erlebnisse zu Beginn dieses Jahres festzuhalten, sonst wird das bestimmt wieder von neuen tollen Ereignissen ueberlagert... Angefangen haben die Feierlichkeiten zum Jahresabschluss am 30. Dezember, mit einer grossen Roda de Capoeira bei uns in der Schule, anschliessender Samba und danach festa, wobei alle ganz in weiss gekleidet waren. Die Stimmung war wunderbar und wir haben die ganze Zeit durchgetanzt, bis Guto uns im Morgengrauen vor die Tuer setzte. Dort entstand dann die spontane Idee in den Bosque zu fahren. Mittlerweile war der Plan eigentlich auch, einfach dort Silvester zu feiern, aber nachmittags kam wieder der Gedanke des Wassserfalles auf, und wir beschlossen, mit dem Fahrrad dorthin zu fahren. Wir waren in dem Fall Maskoti, Edson, Nancy (die gerade aus Rio zu Besuch ist), Kiki und ich. Da es schon relativ spaet war, war es nicht mehr realistisch, am Ziel anzukommen, wobei dieser Art von Reise ja bekanntlich der Weg das Ziel ist... Wir radelten also bis es zu dunkel wurde und schlugen dann am Strassenrand hinter der Boeschung unsere Zelte auf. Silvester habe ich also sehr ruhig am Lagerfeuer verbracht, auf dem wir lecker kochten. Berimbau, Pandeiro und Agogo waren natuerlich auch mit, sodass wir unter einem wunderbaren Vollmond Musik machten... Ich bin seit Jahren nicht mehr so frueh schlafen gegangen an Neujahr, aber trotzdem kann ich mir keinen besseren Start uns Jahr vorstellen, so fernab von jeglichem Trubel. Am 1. Januar wachte ich morgens um sieben von den Sonnenstrahlen auf, wir kochten Kaffee auf unserem Feuerchen und los gings.... Die Sonne knallte den ganzen Tag mit unglaublicher Kraft vom Himmel, Resultat ist der netteste Sonnenbrand, den ich je hatte... Ueberall wo ich mich nicht ganz konsequent mit Lichtschutzfaktor 40 eincremte, kann ich mir jetzt die Haut abziehen. Dazu haten wir ausserdem einen heftigen Gegenwind, sodass wir nur sehr langsam vorwaerts kamen und sogar bergab trampeln mussten, was etwas deprimierend war... Abends zelteten wir kurz hinter Maquiné an einem Fluss, so ein Bad ist schon was tolles, wenn man so lange auf einem harten Fahrradsattel gesessen hat!!! Am naechsten Tag ging es weiter am Fluss entlang, die Strasse war mittlerweile nicht mehr ausphaltiert. Unterwegs boten sich viele Gelegenheiten, Kuerbisse, Auberginen, Orangen (...) zu ernten (Mundraub ist erlaubt, oder??), sodass uns die ganze Zeit wunderbare Essen beschert waren... Hinter Barra do Ouro schlugen wir wieder am Fluss unser Lager auf. Ich glaube es gibt wirklich nichts Schoeneres, als nachts unterm Vollmond auf den Steinen am Flussufer zu sitzen und dem Wasser beim Fliessen zuzuhoeren... Ich finde es immer noch beeindruckend, dass es immer weiter fliesst, ohne muede zu werden... Das letzte Stueck auf dem Weg zur Cascata Forqueta war definitiv das Schoenste... Wir mussten unsere Fahrraeder durchs Wasser tragen, es ging an Kuhweiden vorbei, unter Bananenstauden... Natur!!! Wir schliefen dort mitten im Wald, huu war das dunkel in der Nacht!! Vor allem weil das Feuer durch die Feuchtigkeit mehr qualmte als brannte... Und der Wasserfall war einfach ein Traum, so wunderbar in seinem Spritzwasser zu baden!!! Das Schlafen war auch etwas abenteuerlich, da in den Zelten eigentlich nur Platz fuer vier Personen war, aber wir ja zu fuenft waren und man sich dementsprechend teilweise nicht umdrehen konnte, ohne die anderen aufzuwecken... Ich haette noch tagelang dort bleiben koennen, aber wir waren nicht auf eine laengere Reise vorbereitet, also machten wir uns am Montag auf den Rueckweg... Es regnete und innerhalb von kuerzester Zeit waren wir komplett durchgeweicht, aber das war nicht so schlimm, weil sowieso alles unglaublich dreckig war... Eigentlich wollten wir die komplette Strecke an einem Stueck fahren und das haette auch geklappt, wenn sich nicht diverse technische Probleme in Form von Loechern in den Reifen aufgetan haetten. Der Schlauch von Edsons Fahrrad war nicht mehr zu retten und bis ein neuer aufgetrieben war, verging ganz schoen viel Zeit, die der Rest von uns wartend an einer Bushaltestelle verbrachte, wo es immerhin trocken war... Kiki ging es auch nicht so ganz gut, ihre Augen waren total angeschwollen, sodass sie quasi im Blindflug durch die ganzen Schlagloecher gebrettert ist, ihr Gesicht pellte sich und dann fing auch noch ihr Fuss an wehzutun... Letzendlich fuhr sie mit Maskoti und Nancy im Bus zurueck nach Porto Alegre und Edson und ich radelten noch weitere 22 km nach Tramandai um das Meer zu sehen... Leider war unser Zelt nicht wasserdicht, sodass wir aus Angst vor Regen unter dem Vordach einer Huette zelteten, was einen sehr lustigen Anblick bot, wie auch auf dem Foto zu sehen ist.. Einfach herrlich, morgens als erstes direkt ins Meer zu springen!!! Allerdings fuhren wir auch frueh wieder los, da ca 120 km Weg vor uns lagen. Diesmal hatten wir wettertechnisch alles, erst Regen, dann heisse Sonne, dann Gegenwind. Puh, mein Po tat ganz schoen weh.. Wir machten auch nicht so viel Pause, nur um unsere Broeter zu verspeisen und uns etwas zu strecken.. Fuer mehr hatten wir kein Geld mehr, wir kehrten mit ganzen 30 centavos in der Tasche zurueck. Ich liebe es, das Haus zu verlassen, aber ich habe wieder einmal festgestellt, dass es wohl nichts schoeneres gibt, als wieder heim zu kommen.. Nach drei Duschgaengen war ich auch wieder einigermassen sauber, der Hautwechsel ist fast abgeschlossen und ich hatte sogar schon wieder Energie, wieder mein Fahrrad zu besteigen und nach Alvorada, ein Nachbarstaedtchen, zu fahren und dort mit Edson sein Mama zu besuchen. Und heute fand eine kleine Roda in einer Vila (aermeres Viertel) in der Naehe vom Bosque statt. Toll, was man zusammen auf die Beine stellen kann.. Die Kinder dort waren begeistert und das Phi sowieso.. Morgen heisst es Tasche packen, Rio ich komme!!! Und von dort aus zu Elis und ihrer kleinen Sophia, hach freue ich mich!!!

2 Kommentare:

  1. Wow,das is ja mal ne radtour!klingt toll und nach vielen glücksmomenten :)
    während du in der sonne verbrennst,rutsche ich hier auf glatten straßen rum,jaja,verkehrte welt!
    viele grüße,hab dich lieb!

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  2. Wow, der Anfang eures Zelttrips hoert sich einfach wie das Paradies an.
    Dann gehts jedoch etwas bergab... ;)
    Liebe Gruesse

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