Gestern vor sechs Monaten bin ich hier in Brasilien angekommen, einfach unfassbar wie schnell die Zeit vorbeirast... Und seit Beginn dieses Jahres habe ich so unglaublich viel erlebt und noch nichts davon berichtet, sodass ich jetzt gar nicht weiss, womit ich anfangen soll... Ich war in Rio de Janeiro, in Guaratinguetá bei Elis, in São Paulo beim Zwischenseminar und habe Johanna getroffen, in Florianópolis, zwischendurch kurz in Porto Alegre und Alvorada und nun sind die Ferien vorbei und ich bin in Caxias do Sul um Besuche bei den Behinderten durchzufuehren... Am Donnerstag gehts wieder heim und dann kommt auch Nikolai zu Besuch!!! Das war jetzt ein kurzer Ueberblick um meine Gedanken zu sortieren, am besten ich fange chronologiosch an, in Rio. Kiki und ich sind dort am Montag, 11. Januar hingeflogen, unsere Freunde von der Capoeira, mit denen wir dort waren,schon zwei Tage frueher. Das waren Maskote, Lampião, Edson, Pirata und Karen. Wir hatten das Glueck, dort in einem besetzten Haus unterkommen zu koennen, in dem sich gerade Menschen aus verschiedenen Laendern Suedamerikas und aus ganz Brasilien aufhielten. War eine neue Lebenserfahrung, es gab eine Freiluftdusche, auch wenn haeufig das Wasser fehlte, weil sich die Ocupação direkt neben der Cidade do Samba befindet, wo sehr viel Wasser verbraucht wird. Gekocht wird ueber offenem Feuer, auch bei ca. 40 Grad.. Problematisch nur wenn es viel regnet und alles feucht ist. Geschlafen haben wir auf einem Lager aus Schlafsack und Isomatte, zum Zudecken war es sowieso viel zu warm, auch wenn das vielleicht in bisschen vor den Muecken beschuetzt haette, die sich in Massen auf uns stuerzten. Insgesamt war es ein recht untouristischer Urlaub, ich bin weder auf den Pão de açucar gefahren, noch zum Cristo Redentor.. Dafuer habe ich im Hause von Mestre Russo uebernachtet, bin mit ihm zu einem Fluesschen gefahren, habe an seiner Roda in Duque de Caxias teilgenommen, sowie an den Rodas von Mestre Miguel und Mestre Bicicleta und an einem Training mit Contramestra Cristina.
Rio hat zu Recht den Titel der "Cidade maravilhosa", der wunderbaren Stadt, allein seine Geographie mit den diversen Huegeln und direkt am Meer gelegen ist wunderschoen. Seine Bewohner sind unglaublich freundlich und lebensfroh. Andererseits ist die Armut dort noch viel praesenter als in Porto Alegre und die Stadt stinkt an einigen Stellen extremst nach Faekalien und Urin. Das war besonders beruhigend, als wir nach starken Regenfaellen durch die ueberschwemmten Strassen stiefelten, mit dem Bewusstsein was uns da alles an Krankheitskeimen entgegenschwamm. Auch der Verkehr Rios ist leicht wahnsinnig, die Busfahrer haben einen unglaublichen Fahrstil, und auf dem Weg nach Xerém, zu dem Wasserfall, fielen die Bremsen aus und wir mussten alle auf den naechsten Bus warten. Aber an der Kueste entlang gibt es sogar einen Radweg, wenn man dort erstmal angekommen ist, kann man dort wunderbar langfahren. Waren auf jeden Fall zwei wunderbare Wochen! Von dort aus bin ich dann mit dem Bus zu Elis gefahren. Ich kann gar nicht beschreiben, wie es war als ich sie am Busbahnhof gesehen habe, mit ihrer Sophia und ihrer Schwester Josi. Wir hatten uns sooo viel zu erzaehlen, nach den zewieinhalb Jahren, und ich finde es beeindruckend, dass wir uns trotz unserer so unterschiedlichen Leben immernoch genauso gut verstanden haben wir immer! Klein-Sophia ist einfach ein Schatz, sehr aktiv und entdeckungsfreudig... Die gesamte Familie von Elis war so lieb zu mir... Ich war mit in Cunha bei diversen Tanten, in Aparecida do Norte bei einer riesigen Basilica, habe mit Elis mexikanisch gekocht, portuñol gesprochen, war mit ihrem Papa joggen... Schade nur, dass die Zeit so schnell rumging... Von dort aus fuhr ich weiter nach São Paulo, wo auch erstmal Land unter war. Ich wurde von Natalia, ihrem Papa und einer Freundin abgeholt und wir fuhren erstmal in eine Churrascaria dick essen... Am naechsten Tag zeigte mir natalia das Zentrum São Paulos. Es ist einfach schoen, mit den Menschen von hier unterwegs zu sein und nicht nur als doofer Tourist.. Das beste war aber, dass ich mittags Johann im Amparo Maternal besuchen konnte. Ich haette fast angefangen zu heulen vor lauter Freude, als sie um die Ecke kam!! Und jetzt habe ich eine Vorstellung wie sie arbeitet und wo sie sich immer rumtreibt!! Dafuer, dass ich nur so kurz dort war, haben wir uns auch erstaunlich viel gesehen... Das hat mir richtig gut getan, ein Stueckchen Heimat hier im fernen Brasilien. Das Seminar an sich war eher sinnlos, aber ganz nett, vor allem war es schoen, die Erfahrungen der anderen Freiwilligen zu hoeren und sie wiederzusehen. Ausserdem waren wir gross essen, was ich etwas uebertrieben fand, in einem Land wie Brasilien, in dem so viele Menschen von dem gleichen Geld, das dort ausgegeben wurde, einen ganzen Monat leben muessen. Aber unser Seminar war ja verkuerzt und da blieb das sozusagen ueber. Naja, meine Meinung ist ja auch egal, war schon schoen. Ausserdem kam noch Saulo, ein Freund von Elis, zu Besuch, weshalb wir abends noch weggingen und ich am Sonntag relativ muede mit Johanna durch São Paulo spazierte. Aber solange man in Bewegung bleibt, alles halb so schlimm. Ich haette Johanna am liebsten mitgenommen, aber vielleicht kommt sie ja nochmal hier im Sueden vorbei, das waere so toll.. Am Montag ging es mit Frei Nelson weiter nach Florianópolis. Dort durften wir im Haus von Arnoldo, einem FCDler bleiben, ich erwaehnte ja schon einmal die unglaublich Gastfreundschft der Brasilianer... Zwei Tage lang guckten wir uns die Stadt und die Ilha Santa Catarina an. Das lohnte sich wirklich sehr, ein wunderschoenes Fleckchen Erde!!! Dennoch freute ich mich danach riesig, wieder zurueck nach Hause zu kommen, wieder zur Capoeira zu gehen und die Menschen dort wiederzusehen. Wir kamen am Donnerstag an und da gibt es jetzt abends immer noch eine Roda de Rua, einfach herrlich. Und am Freitag unsere grosse Roda livre der escola... Das tat sooo gut!! Nach der ganzen Reiserei stand mir dann nach Carnaval auch gar nicht so der Sinn. Deshalb verbrachte ich die Feiertage mit Edson in Alvorada bei seiner Mama, eher ruhig, aber sehr schoen. Es regnete auch, sodass es viel gemuetlicher war, Filme zu schauen und im Haus zu bleiben. Ich werde nochmal wiederkommen muessen, um wie Johanna Carnaval im Nordosten verbringen zu koennen... Naja, und jetzt bin ich schon seit einer Woche hier in Caxias, wo ich mich auch schon recht zu Hause fuehle...
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
(GRRRRRRR, grad hab ich n kommentar geschrieben, aber das/der? ist abgestuerzt)
AntwortenLöschenHUHU PHIIII, das klingt so klasse, es muss toll sein Elis und Klein Phi und Hanni wiederzusehen und ich finds fantastisch das es dir so gut geht! Vermiss dich und hab dich lieb!
Dein Wuppsilein! :)
PS: Ist zwar noch weit weg und du willst bestimmt nicht dran denken, aber wann genau ist eigentlich dein Rueckflug? Ich freu mich auf dich!
Hört sich alles so toll an Phi!!
AntwortenLöschenIch freu mich das es dir dort so gut geht!
Auch wenn ich mich nicht oft melde, ich hab dich trotzdem nicht vergessen.
*großer knuddel*